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Laibach – Spectre (Album-Rezi)

Laibach - Spectre (Album-Cover)Laibach – Spectre
Genre: Industrial/Pop/Electro
VÖ: 28.02.2014 (Mute Records/GoodToGo)
Bewertung:
★★★★★★

Laibach – oder: Widerstand ist zwecklos!
Laibach liefern mit ihrem neuen Album ein musikalisch hochklassiges Werk ab, das ziemlich „soft“ daherkommt, ohne jedoch die „alten Härten“ zu vergessen. Musikalisch kann man jedenfalls nicht so schnell widerstehen, vom Monumental-Pop-Ohrwurm „The Whistleblowers“ über Tanzflächenfüller wie „Eat Liver!“ oder auch das Titelstück, bis zum industriell verarbeiteten „Bossanova“. Der Gesang von Mina Špiler veredelt das Bild noch weiter, natürlich darf auch Slavko Avsenic Jr. mit seinen Original Oberkrainer Chören nicht fehlen.

Laibach befinden sich somit weiter auf ihrer Forschungsreise über Ideologie und Ästhetik und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Slowenen sind bekannt für ihre subversiven Aussagen, daher auch bei vielen Zeitgenossen äußerst umstritten, da sie sich bisher konsequent mit hintergründiger Politik beschäftigt haben und demzufolge auch häufig in der Lage waren, politische Entwicklungen vorauszusagen. Beispielsweise wurde bereits 1987 mit der Queen-Coverversion „Geburt einer Nation“ der Zerfall Jugoslawiens in Nationalstaaten prognostiziert. Bei „Resistance Is Futile“ liegt der Fall teilweise etwas anders, hier geht man quasi auf tagespolitische Inhalte ein. Laibach lassen es sich nicht nehmen, sich hier eindeutig auf die Seite der Whistleblower und Occupy-Bewegungen zu stellen. Außerdem wird mit „Eurovision“ die EUrokratie sehr kritisch beäugt. Somit rundet es aber wieder das laibach’sche Gesamtkonzept des tiefen Mißtrauens gegen politische Machtverhältnisse, Religionen und Totalitarismus ab, ohne jedoch den Fehler zu begehen, sich in starr programmatischen politischen Aussagen zu verfangen. Stattdessen setzt man auch hier wieder auf subversiven Humor und damit auf die typische Über-Identifikation. Die zuckersüß-ätzende Ironie beim Song „Koran“ spricht hier Bände. Die 10 Thesen im „Spectre“-Beiheft entsprechen grundsätzlich ihrer Programmatik, die sie schon beispielsweise auf der „Rekapitulacija 1980-84“ als „Perspektiven“ veröffentlicht hatten.

„All art is subject to political manipulation, except for that which speaks the language of this same manipulation“, an dieser 1982 erdachten Programmatik halten Laibach bis heute fest. Wer behauptet, Laibach seien nicht mehr das, was sie mal waren (Zitate mancher Zeitgenossen), der übersieht ihren „roten Faden“, der sich durch sämtliche Werke seit 34 Jahren zieht, aber allerdings immer in einem anderen musikalisch-künstlerischen Gewand daherkommt. Gerade diese Vielseitigkeit zeichnet sie aus und läßt sie weit über all jenen profanen und trivialen Versuchen stehen, die versuchen, sich der Komplexität der Politik als Kunstform anzunehmen. Laibach sind auf diesem Gebiet jedenfalls unschlagbar. Den „Blitzkrieg“ einer entfesselten globalisierten Finanzwirtschaft gegen die Vernunft und den gesunden Menschenverstand werden wir alle noch zu spüren bekommen.Widerstand ist hier – hoffentlich – nicht zwecklos. Fight For Your Right To Laibach-Party!

Gast-Rezension von Oliver23

„Spectre“ ist als CD, auf Vinyl (plus Download-Code für MP3s) und als Deluxe-Version mit vier Bonusstücken und Buch erhältlich.

Milan Fras und Mina Špiler von Laibach

Mina Špiler und  Milan Fras von Laibach

Milan Fras

Tracklist:
01. The Whistleblowers [03:31]
02. No History [03:17]
03. Eat Liver! [03:11]
04. Americana [04:29]
05. We Are Millions And Millions Are One [04:23]
06. Eurovision [04:38]
07. Walk With Me [03:55]
08. Bossanova [03:11]
09. Resistance Is Futile [06:55]
10. Koran [05:22]
11. The Parade (Bonus Track) [04:05]
12. Love On The Beat (Bonus Track) [03:21]
13. Just Say No! (Bonus Track) [02:31]
14. See That My Grave Is Kept Clean (Bonus Track) [04:05]

Laibach – Eurovision

Laibach – Walk With Me

Laibach – We Are Millions And Millions Are One

Laibach – The Whistleblowers (official video)

Video-Trailer zur „Spectre“-Tour:

Tour-Dates:
13.03.2014 NL-Amsterdam, Melkweg
14.03.2014 Köln, Stollwerk
15.03.2014 Schorndorf, Manufaktur
16.03.2014 München, Technikum
04.04.2014 Frankfurt am Main, Mousontrum
05.04.2014 Dresden, Reithalle
07.04.2014 Berlin, Volksbühne
08.04.2014 Hamburg, Uebel&Gefährlich
15.04.2014 AT-Wien, Arena

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