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Farsot – IIII (Album-Rezension)

Farsot - IIII (Cover)Farsot – IIII
Genre: (Avantgarde) Black Metal
Spiellänge: 42:00
VÖ: 26.10.2007 (Lupus Lounge/Prophecy Productions)
Bewertung:
★★★★★★

„Wenn Zeit gefunden wird alles Negative zu vereinen
Wenn Verzweiflung weinend die Vernunft in Ketten legt
Spiegelt sich das Leben im Minusbereich der Selbstfindung
Und entrinnt – schwarz verhasst – seinen falschen Fassaden“

(Thematik: Hass – zitiert nach: www.justsomelyrics.com)

Thematik: Black Metal! Und was für ein Opus hier abgeliefert wird ist der helle Wahnsinn! Aber der Reihe nach. Die zitierten Verse verdeutlichen schon recht gut worum es bei der Platte IIII der deutschen Black Metal Formation Farsot gehen wird: Knallharten, frostig-klirrenden Black Metal.

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Das Album ist von vorne bis hinten ein Kleinod. Hasserfüllt und doch feinfühlig. Melancholisch und aufwühlend. Laut und leise. Schlicht und vielschichtig. Man könnte ewig weiter machen mit diesen Gegensatzpaaren. IIII ist althergebracht, erhaben, archaisch und doch auch modern. Ein Album, das am Stück genossen werden sollte.

Die vier Stücke, die von drei Interludes verbunden werden, decken dunkle Formen der menschlichen Emotionen ab, was sich auch in der Titelgebung widerspiegelt: Schlicht nach Thematiken sortiert werden nach und nach menschliche Zustände wie Hass, Angst, Tod und Trauer durchexerziert.

Musikalisch bedient man sich dem rasenden Black Metal nordischer Prägung und spickt das ganze mit akustischen Passagen, einigen Heavyausflügen und behäbigerem Midtempo. Ganz vereinzelt schaut auch mal ein Keyboard vorbei, aber wirklich sehr sinnvoll und subtil. Gesanglich ist von Wimmern, Schreien und einem Krächzen im etwas tieferen Register alles dabei. Es wurde scheinbar darauf geachtet bisweilen eine bewusste Übersteuerung des Gesangs aufzuzeichnen oder einzustreuen. Ein netter Effekt, gerade wenn es an markerschütternde Schreie geht. Die akustischen Passagen sind recht kurz, dafür umso effektvoller, wie z.B. zur Mitte von Thematik: Angst eingesetzt.

FarsotÜberhaupt ist das ganze Songwriting sehr ausgereift. Die Arrangements werden wirklich niemals langweilig. Man entdeckt immer wieder neue Facetten. Sei es bspw. Bei Thematik: Tod, das mit einem melancholischen akustischen Part beginnt und sich dann mit wohl dosierten Dissonanzen der Marke „die verzerrte Gitarre setzt ein“ einigt, einem eine Gänsehaut über den Rücken zu jagen.

Die Texte sind deutsch und handeln von menschlichen Gefühlen düsterer Natur und laden nicht gerade zum Sonnenschein ein. Die Instrumentalfraktion macht ihre Sache gut. Überhaupt ist das ganze Material sehr melodisch, dabei aber nie zu verspielt, eher schlicht, dabei aber sehr vielschichtig.

Die Produktion ist meiner Ansicht nach sehr gelungen. Recht roh, dabei aber niemals matschig. Die Instrumente wirken nicht gekünstelt. Alles sehr natürlich. Für diese Art Musik perfekt!

Die drei sehr kurzen ambientlastigen Interludes und die Tatsache, dass Thematik: Trauer gute 20 Minuten in Beschlag nimmt, dabei aber in keinster Weise langweilig wird tun ihr Übriges zu einem rundum gelungenen, atmosphärisch dichten, sowie schlichten, aber niemals langweiligen Black Metal Album. Ich bin beeindruckt. Und das alles als eigentliches Debutalbum (nach einem Demoalbum)! Es muss Respekt gezollt werden!

Live sind die Mannen von Farsot übrigens ebenfalls genau so schlicht und zurückhaltend. Der Musik sehr zuträglich!

Anspieltipps: Alles von vorne bis hinten und noch mal von vorn! 😉

– DJ Sagaart

Website:
http://www.farsot.de

 

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