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Rückblick: Das erste Neck Fracture-Festival

Neck Fracture Vol. 1

Neck Fracture Vol. 1

Am Samstag 19.01.2013 luden unbesiegbare Legionen zum Nackenbrechen ein. Das Neck Fracture Vol. 1 bescherte Münster ein schieres Erdbeben, dessen Epizentrum eindeutig als Café Sputnik identifiziert werden konnte. Und die Leute strömten zahlreich trotz Eis, Schnee und klirrender Kälte. Die münsterschen Invictum haben das Minifestival quasi aus dem Boden gestampft, sich lokale Bands gesucht, die mitmachen und zum schmalen Preis einen rockenden Konzertabend kredenzt, der noch in Erinnerung bleiben wird. Dies liegt sicherlich auch an den ambitionierten Bands, die die Wände haben wackeln lassen. (Text: DJ Sagaart, Fotos: Igor Panek)

 

Den Anfang machten hierbei Enrage aus Neck Fracture Vol. 1Aachen. Die seit 2010 bestehende junge Band sprühte nur vor Engagement und zeigte gleich zu Beginn, wo der Hammer hängt. Das zu der Zeit noch recht mau besuchte Sputtencafé füllte sich schlagartig. Klasse! Man konnte schon die ersten headbangenden Hartmetaller beobachten und vereinzeltes Kopfnicken signalisierte Zustimmung gegenüber der Band. Beste Voraussetzungen für einen Auftritt einer doch sehr jungen Enrage 2Combo. Musikalisch sehen sich Enrage selbst im Fahrwasser von Heavy-/Thrash-Metal-Größen wie Motörhead, Manowar, Megadeth oder auch Judas Priest. Das ist so weit auch nicht verkehrt, aber mir fielen auch ein leicht doomiger Einschlag a la Candlemass und gerade durch den rauhen Gesang des Fronters Martin Reminiszenzen an Bolt Thrower auf. Klasse. Die Band selbst steckt sich selbst in keine Schublade und das ist auch gut so! Klarer Gesang und eine sehr gute Abmischung des Sounds rundeten den durchaus positiven Eindruck ab. Die Band konnte mit Songs wie Killfest, Dead Man hanging out und Raise the Hellfire als Opener des Abends durchweg überzeugen.

Draupnir 1Die zweite Position des Abends wurde durch Draupnir besetzt. Die ebenfalls aus Münster stammenden Pagan-Metaller spielen seit 2008 zusammern und wussten schnell, wohin die Reise gehen sollte. „Hart sollte es werden, und doch nicht in Ermangelung an Melodie sein. Archaische Screams und Growls sollten – getragen von paganistischen Melodien – den Hörer in eine mythische Welt voller Schrecken und ihrer eigentümlichen Schönheit entführen.“ So weit so gut. Mit einem typisch metallischen Line-up plus Keyboards und einer richtigen (!) Flöte bereitete die Band dem Mischer des Abends Kopfzerbrechen. Leider war der gesamte Sound der Band an diesem Abend sehr unausgeglichen. Zudem war der zweite Gitarrist durch eine Sehnenscheidenentzündung ausgeknockt und der organisierte Ersatz lag mit ner Grippe in der Koje. So musste Gitarrist und Leadsänger Daniel die Gitarrenparts zudem noch irgendwie kompensieren. Dass die Gitarre und der Gesang leider zu leise ausgepegelt waren, hingegen der Bass alles platt gewalzt hat ist sehr schade und mag man der Band nicht negativ anrechnen. Ebenso ist es schwierig zu bewerten, wie sich ständige Line-up Wechsel auf das Zusammenspiel der Band ausgewirkt haben. Leider schien das Zusammenspiel an diesem Abend eben etwas zerfahren und chaotisch zu sein, was der Stimmung aber keinen abbruch getan hat. Durch die fehlende zweite Gitarre wirkte das Ganze dazu leider etwas ‚blutleer‘. Eigentlich schade, denn das Material scheint einiges herzugeben. Diese vermeintlichen ‚Fehler‘ sind aber Draupnir 2alles Faktoren, für die die Band in Teilen rein gar nichts kann. Das empfand ein größerer Teil des Publikums auch so. Die Band wurde wohlwollend aufgenommen. Für jeden Pagan- bzw. Folkfan war was dabei. Nach einem mystischen Keyboard/Flötenintro, kredenzt von den beiden Maiden der Band Melissa und Katharina, gab es den Pfad des Kriegers auf die Ohren. Abgelöst wurde der pagane Brecher durch Piratenpower mit dem Titel Für Rum und Ehre, die zum schunkeln einlud. So war für jeden was dabei und die Stimmung wirkte nach wie vor gut und konstant. Wenn die Band es für die Zukunft schafft, besonders in Bezug auf das Line-up (für Schlagzeuger Steffen war es der letzte Auftritt mit Draupnir) zur Ruhe zu kommen, sich zu ordnen und ein stringentes Konzept zu überlegen, das sie noch etwas mehr über den paganen Einheitsbrei hinaushebt, sehe ich ich durchaus gutes Potential. Ach ja: Wer sich berufen fühlt in dieser Band die Kessel zu klopfen, sprich die vakante Position des Drummers zu besetzen möge sich umgehend mit der Band in Verbindung setzen. Händeringend suchen die Mädels und Jungs einen Trommevirtuosen!

Despise and ConquerAnschließend stiegen die Death-Thrasher Despise & Conquer in den Tanz ein. Und was lieferte diese seit 2008 bestehende Band aus Herten ein Brett ab! Der Opener Invasion plättete alles, was sich ihm in den Weg stellte und trieb den Stimmungspegel schon zu Beginn in die Höhe. Das Café war prall gefüllt und allerorts sah man dann und wann kreisende Haare. Die Band feuerte eine Granate nach der nächsten ab. Skullfuck, This golden Age of Disillusion oder Moonlight Serenade. Letztlich zündete jeder Song und der Spaß an der Musik und vor allem am Spielen auf der Bühne wurde nicht zuletzt durch Sätze wie „Der nächste Song entstammt noch aus einer Zeit, als wir noch ein beschissenes Studioprojekt waren!“ bestätigt. Frontsau Udo entpuppte sich dabei als energiegeladener Duracellhase, der alle mitreißen konnte. Der Sound war gut. Was das Genre angeht würde ich eher zu symphonisch angehauchtem Death-Metal tendieren, wobei die symphonischen Keyboardelemente eher dezent eingesetzt werden und mich in Teilen an Kapellen wie Agathodaimon oder Siebenbürgen erinnern. Aber was sind schon Genreschubladen, wenn eine Band einfach rockt? Drauf geschissen und die Pommesgabel gereckt! Die Band lieferte dann auch mit Resistance is futile die erste Zugabe des Abends ab.

Neck Fracture Vol. 1 - Unbesiegbar sollte es weitergehen. Die melodische Death-Metal Kapelle Invictum enterte die Bühne und was soll man sagen? Die Band stieg sehr routiniert in ihren Auftritt ein, ging dabei aber etwas technischer und deutlich introvertierter ans Werk. Letzteres wirkte sich minimal auf die Stimmung aus, was aber der Tatsache geschuldet ist, dass Frontmann Fabian auch noch den Bass schrubbte, denn technisch gesehen war der Auftritt zwar nicht perfekt aber sehr gut. Die Jungs verstehen ihre Instrumente gewinnbringend einzusetzen und auch Soli wurden wohl dosiert und passend eingebaut. Dabei war aber die Leadgitarre leider etwas zu sehr in den Hintergrund gemischt, was den Eindruck vermittelte, dass sie eher hinter einem Vorhang spielt. Schade! Als Einflüsse würde ich zu Truppen wie Insomnium, aber auch Bloodbath tendieren. Durchaus melodisch, dabei aber niemals die Härte vergessend. Ein gelungener Auftritt, wobei mir besonders gut die Growls gefallen haben, die technisch sehr gut vorgetragen wurden, ebenso wie das Cover des Amon Amarth Klassikers Death in Fire. Einzelne Songs sind mir leider nicht in Erinnerung geblieben, was aber nicht negativ zu sehen ist, da der Auftritt als Gesamtbild gut war, was das Publikum durch das recken der ‚Pommesgabel‘, Zuhören und headbangen quittierte. Das Covern von Iron Maiden tat zum Schluss sein Übriges und entließ die Zuhörer mit einem zufriedenen Gesamteindruck und Lächeln auf den Lippen.

Supreme CarnageDen Abschluss des Neck Fracture Vol. 1 bildeten die ebenfalls münsterschen Supreme Carnage, die an diesem Abend nun wirklich keine Unbekannten sein sollten. Die Reihen des Publikums hatten sich minimal gelichtet, was der Stimmung keinen Abbruch tat. Als die ersten schrabbelig-dreckigen Töne aus Ackers Gitarre die Gehörgänge der Zuhörerschaft erreichten war klar, dass die 2010 gegründete Band ihre Headlinerstellung zu Recht inne hat. Frontmann und Spaßvogel Jorge grunzte sich bisweilen im Wettstreit mit Acker die Seele aus dem Leib, womit die Band mit Songs wie Thumbscrew die Daumenschrauben vehement anzog. Nachdem man sich die Rübe zu Songs wie Fire oder Cut the Head off abgeschraubt hat entließen die Münsteraner ein sehr zufriedenes Publikum mit acht Qualen und dem sehr guten Cover des Kataklysm Klassikers Shadows and Dust wohl verdient in die Nacht!

Die erste Auflage des Neck Fracture war dementsprechend kein Genickbruch für die Veranstalter, dafür viel mehr ein schöner Nackenbrecher für das Publikum, das sehr zahlreich erschienen ist. Einzig zu monieren wäre, dass der Abend nur vielleicht sehr stark Death-Metal orientiert war. Etwas mehr Abwechslung könnte der Reihe vielleicht in Zukunft gut tun. Es ist jedoch sehr schön zu sehen, dass derartige Konzerte in Münster nicht nur möglich, sondern auch sehr erfolgreich sein können! Ich freue mich auf die nächste Auflage und verbleibe mit einem Daumen hoch oder wie Udo (Despise & Conquer) es nicht treffender hätte formulieren können: „MÜNSTER! IHR SEID GEIL!!“ In diesem Sinne: Zeige- und kleinen Finger gereckt und (hoffentlich) bis zum nächsten Mal.

Text von Sagaart
Fotos von Igor Panek

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Zur Fotogalerie vom Neck Fracture Vol. 1 mit über 70 Bildern!

Setlist Enrage:
1. Killfest
2. Crushed at the Gallows-Polle
3. Dead Man hanging out
4. I dare you
5. Raise the Hellfire
6. Hammer crush the Earth

www.facebook.com/enrageoffical

Setlist Draupnir:
1. Der Elfen Blut (Intro)
2. Der Pfad des Kriegers
3. Für Rum und Ehre
4. Blutmond
5. Widukind
6. Irrlicht

www.facebook.com/draupnirmetal

Setlist Despise & Conquer:
1. Invasion
2. Casting Skin
3. Skullfuck
4. Cassandra
5. Moonlight Serenade
6. This golden age of Disillusion
7. Myself unleashed
8. Fear my Thoughts
9. Amigos del Ron
10. Resistance is futile (Zugabe)

www.facebook.com/despiseconquer

Setlist Invictum:
1. The Beginning
2. Desolated
3. Gone Astray
4. Sorrow of Salvation
5. Last Elapsing Seconds
6. Death in Fire (Amon Amarth Cover)
7. Mirrors
8. My Apostasy
9. Wittness of Time
10. Scorched Earth
11. Iron Maiden (Iron Maiden cover)

www.facebook.com/invictumband

Setlist Supreme Carnage:
1. Intro – Me don’t know Nothing
2. God of Gore
3. Fire
4. Carnage
5. One Human – Four Pieces
6. The bubonic Plague
7. Thumbscrew
8. Fried to Death
9. Buried alive
10. Cut the Head off
11. 8 Times you will suffer (Zugabe)
12. Shadows and Dust (Kataklysm cover) (Zugabe)

www.facebook.com/supremecarnage

 

 

 

 

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